Ich bin ein schlechter Mensch.

Der Startschuss für 2017 ist gefallen, die ersten zwei Wochen vorbei. Viele geben bereits die zu hoch gesteckten Neujahrsvorsätze auf und kehren wieder zu ihrem alltäglichen Ich zurück. Der Glanz des Neuen verblasst und das Grau des Alltags kehrt wieder ein. Und doch denke ich viel über mein kommendes Jahr nach.

Mit jeder neuen Jahreszahl wollen wir uns bessern und bekommen es von unserem Umfeld vorgelebt. „Jetzt geht´s aber los mit der Traumfigur, der gesunden Ernährung und dem perfekten Lebensstil.“ Das sagt man sich zumindest. Und das hat viel mit schlechtem Gewissen zu tun, darüber, wie man sein Leben aktuell lebt.

Von allen Seiten wird Druck ausgeübt, unterbewusst. Auch wenn mir eigentlich relativ egal ist, was andere Menschen darüber denken, wie ich mein Leben führe. Ganz gleich kann es einem aber wahrscheinlich nie sein, was andere über einen denken. Und wie in allen Bereichen des Lebens haben wir uns eine Angewohnheit zugelegt, die nicht immer gesund ist. Wir sind immer auf der Suche, besser zu werden. Über diese endlose Suche habe ich bereits einen Beitrag verfasst, aber dabei ging es eher um Beziehungen und warum es gar nicht erst dazu kommt. Aber ich glaube das lässt sich auch auf unseren allgemeinen Lebensstil übertragen.

Ich habe gemerkt, dass ich immer wieder einen gesellschaftlichen Druck verspüre, besser zu sein.

Und damit meine ich nicht Karriere-technisch, sondern ein (noch) besserer Mensch zu sein. Ich bin seit 8-9 Jahren Vegetarierin, doch manchmal wirkt es so, als sei das nicht genug. Um wirklich toll zu sein, müsste ich auf alle tierischen Produkte verzichten. Bei H&M darf ich auch nicht mehr einkaufen, weil ich weiß, warum das T-Shirt nur 4€ kostet. Einkaufen sollte ich eigentlich sowieso nur bio und am Besten verpackungsfrei und auf Märkten. Autofahren vermeiden, obwohl ich erst den Führerschein gemacht habe. Alkohol vollkommen meiden. Weniger fortgehen. Mehr schlafen. Weniger arbeiten. Mehr arbeiten. Mehr sparen. Und. Und. Und.

Wenn du gewisse Überzeugungen hast, musst du diese auch in jedem Bereich deines Lebens durchziehen, ohne Ausnahme.

So kommt es mir zumindest vor. Ich bin für eine nachhaltigen Lebensstil und würde liebend gerne nur ethisch und ökologisch vertretbare Kleidung kaufen. Ich will nicht, das ein Tier wegen meinem Essverhalten leiden muss, aber Eier esse ich trotzdem hin und wieder. Die Umwelt ist mir ein großes Anliegen, aber ich fliege mehrmals im Jahr mit dem Flugzeug und habe letztes Jahr mehr als 1000 km mit dem Auto zurückgelegt, als ich meinen Führerschein gemacht habe.

Mir sind viele Dinge wichtig und ich versuche, meinen Alltag dementsprechend anzupassen. Und dennoch gibt es eine kleine Stimme in meinem Kopf, die immer wieder schreit: Das reicht nicht! Ich weiß nicht, woher diese Stimme kommt. Vielleicht von Medien, die ich konsumiere, die mir ständig predigen, wie man noch besser sein kann. Von Social-Media Charakteren, denen ich folge, die ihre Überzeugungen viel besser leben als ich. Von der Gesellschaft, die einen Druck aufeinander ausübt, weil wir uns alle mehr mit der Beurteilung anderer beschäftigen, als mit uns selbst.

Auch wenn ich nicht weiß, woher der Druck kommt, kann ich lernen, mit ihm umzugehen. Viele Dinge möchte ich in meinem Leben verändern, allerdings langfristig und nicht drastisch von heute auf morgen. Ich habe Ziele, wie ich mir meinen Alltag in einem, fünf, zwanzig Jahren vorstelle. Aber ich lasse mir Zeit damit und versuche es Schritt für Schritt umzusetzen.

Life is a journey. Not a race.

Denn das ist das Problem mit Neujahrsvorsätzen. Man nimmt sich keine Zeit, sondern vom 31. Dezember auf 1. Jänner soll sich alles verändern und das am besten sofort. Aber so funktioniert das Leben nicht. Wir verändern uns laufend, aber werden nicht an einem Tag zu einem anderen Menschen. Also lasse ich die Stimme in meinem Kopf vor sich hin brüllen und mich von ihr daran erinnern, wo und wer ich einmal sein möchte. Aber nicht von ihr bestimmen.


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