The thing about cat calling.

A loud whistle or a comment of a sexual nature made by a man to a passing woman

Eine kleine Geschichte: Ich gehe die Straße entlang an einem lauen Sommerabend wie jeder andere, vorbei an meiner geliebten 24h Tankstelle, die schon das ein oder andere Mal meinen Wochenend-Heißhunger gestillt hat. Wie jeden Abend tummeln sich Männer jeden Alters auf den Parkplätzen, mit Energydrink in der Hand an ihre Autos gelehnt, die sie noch bis nach ihrem Tod abbezahlen werden (Entschuldigt an diesem Punkt meine Gehässigkeit in diesem Beitrag). Und da höre ich es auch schon. Ein Pfeifen aus nächster Nähe gefolgt von einem, von den pfeifenden Mann vermutlich verführerisch gemeinten, allerdings eher verstörenden Blick. Ich nehme Blickkontakt auf, verdrehe meine und gehe weiter.

Bereits seit längerer Zeit wollte ich einen Beitrag über dieses Phänomen schreiben, aber ich wusste nicht, wie ich anfangen soll. Ich habe damit begonnen, dieses Thema in meinem Freundeskreis zu besprechen. Alleine unter meinen engsten Freunden kam es zu Meinungsunterschieden. Aber eines war klar: Jede Frau erlebt Cat Calling. Und das nicht nur einmal in ihrem Leben. Wöchentlich trifft es eher. Und Geschichten, die mir erzählt wurden, gehen eben leider in nicht seltenen Fällen weit über ein Pfeifen hinaus. Viel zu weit.

Es beginnt mit einem „harmlosen“ Pfeifen, geht über verstörende Blickkontakte hinaus und endet mit sexistischen Kommentaren vom Straßenrand, oder noch viel schlimmeren. Ich selbst habe gemerkt, wie oft ich solches Verhalten von Männern ignoriere und einfach erhobenen Hauptes weitergehe. Doch alleine diese Beobachtung an mir selbst, hat mich schlussendlich doch überzeugt diesen Beitrag zu schreiben. Nachgepfiffen wie einem Hund, reduziert sich die ganze Existenz auf den Körper. Ein Verhalten, dass ich einfach nicht verstehen und noch weniger tolerieren kann.

Ich gehe aus der Tür mit einem Minirock und kann mir eigentlich schon sicher sein, dass ich mich auf Blicke einstellen kann, die ich nicht mit meinen Augen treffen will. Ich steig nachts in die U-Bahn ein und setze mich lieber zu einer Frau, als neben einen Mann. Ich steige aus der U- Bahn aus und umklammere meinen Schlüssel fest in meiner Hand.

Und das alles obwohl ich von mir selbst behaupte mich in dieser Stadt sicher zu fühlen und im Allgemeinen keine ängstliche Person zu sein. Und trotzdem sind das Dinge, die automatische tue, ohne dass ich mir dessen bewusst bin.

Mir wurde es so beigebracht und ich habe mir selbst angelernt – ob bewusst oder unbewusst – gewisse Situationen erst gar nicht brenzlich werden zu lassen. Und diese Angst sitzt tief in mir drinnen. Und damit bin ich nicht alleine, denn die meisten meiner Freundinnen haben mir genau die gleichen Geschichten erzählt.

Es kommt mir so vor, als hätten „wir“ Frauen es akzeptiert mit einem Pfiff oder Spruch zum Objekt gemacht zu werden. Als hätten wir es akzeptiert, dass wir auf unsere Kleidung reduziert werden. Man sollte meinen im 21. Jahrhundert sollte ich mir als Frau keinen Gedanken mehr darüber machen müssen, was ich um welche Uhrzeit in den Gassen Wiens trage, aber das ist es leider nicht. Und ich denke vielen Männern, aber auch vielen Frauen ist diese Realität nicht bewusst.

Ich selbst habe durch die Gespräche mit anderen an Situationen denken müssen, in denen ich mich auf eine gewisse Art verhalten habe, um mich selbst nicht zum Opfer zu machen. Und so schlimm das jetzt auch klingen mag, aber das ist es, was in den Köpfen von Frauen immer noch verankert ist.

Mach dich nicht selbst zum Opfer.

Das dieser Satz gegen all meine feministischen Einstellungen geht, die fest in mir verankert sind, brauche ich an dieser Stelle wohl nicht zu erwähnen. Aber traurigerweise ist es auch für mich, wie für viele Frauen, Realität.

Einige werden an dieser Stelle wohl ihren Kopf schütteln. Aus Zustimmung oder aus Ablehnung. Für manche ist es eine Kleinigkeit und andere werden verstehen, warum ich diese Zeilen schreibe. Für mich ist es eben nicht nur ein kleines Pfeifen. Sondern es ist eine Verhaltensweise, die in unserer Gesellschaft an einem gewissen Punkt akzeptiert wurde. Und nein, ich denke keine Frau fühlt sich geschmeichelt, wenn ihr jemand „geiler Arsch“ nachbrüllt. Ich bin kein Objekt, dass versucht Passanten mit meinem Vorbeigehen zu entertainen.

Wenn man die Geschlechter umdreht, würde wohl auch kein Mann gerne von einer Frau auf sein Äußeres mit einem kessen Pfiff reduziert werden. Und es tut mir nicht leid, wenn ich sage: Das ist eine Unart, die man nicht so einfach akzeptieren, oder über sie hinweg sehen sollte. Gleichberechtigung ist noch lange keine im Alltag gelebte Ideologie und da fängt es nun mal mit einem „harmlosen“ Hinterher-Pfeifen an. Und ich fixiere mich deshalb auf dieses Pfeifen, weil genau so etwas der Auslöser für ganz viele andere Probleme ist.

Was ihr aus diesem Beitrag macht, liegt in eurer Hand. Ich glaube, dieses Thema ist fest in unserer Gesellschaft verankert. Aber für mich ist klar geworden, dass man darüber sprechen muss. Nicht nur Frauen untereinander, sondern auch mit Männern. Wenn wir miteinander reden, und das offen und ehrlich, können wir uns gegenseitig schon für´s erste viel bewusst machen und uns über unsere Erfahrungen austauschen.

Eines ist mir allerdings durch das Schreiben dieses Beitrags klar geworden. Nicht nur das Verhalten von anderen, sondern auch mein eigenes Verhalten muss sich ändern. Denn ob ich mich zum Objekt machen lasse, oder nicht, ist ein Stück weit auch immer noch meine Entscheidung!

Ich würde mich sehr über eure Kommentar zu diesem Thema freuen. Mir ist es wirklich schwer gefallen, meine Gedanken in Worte zu fassen. Gerade deshalb freue ich mich über einen Austausch mit euch!

Und an dieser Stelle lasse ich nun meinen Comedy- Hero Amy Schumer für mich sprechen. You go girl!


 

5 Comments

  1. Franziska Kurth

    Ich bin jetzt 55 und habe mich jahrelang auch wahnsinnig über diese, nicht aussterben wollende Unart des Verhaltens vieler Männer geärgert. Nicht nur, weil das Phänomen weniger häufig auftritt, je nach dem wie „appetitlich“ man aussieht, so um Ende 40 – also nicht nur deshalb, aber: ich habe beinahe resigniert, aus Müdigkeit.

    Ich glaube nicht, dass Du viel veränderst, wie auch immer Du Dein Verhalten ändern möchtest.

    Unglaublich viele Frauen erziehen weltweit ihre Söhne zu einem Sexualverhalten, was (nett ausgedrückt) peinlich ist.
    Nicht, dass diese Jungs sich nicht verlieben könnten – aber sie trennen streng Sex von Liebe und Sex scheint mit masturbieren gleich zustehen. Sie masturbieren sich beim Porno schauen (und die geben ein Bild von Frauen und Sexualität, das zum HImmel schreit), sie masturbieren sich direkt am/im „Objekt“ Frau, wenn es sich gerade nicht um die grosse Liebe handelt – und die ‚passiert‘ ja bekanntlich nicht allzu häufig.

    Die Frauen scheinen dass zu assimilieren und geben dieses Bild von sich dann an ihre Töchter und Söhne weiter, und weiter und weiter.

    So ab meinem 16./17. Lebensjahr habe ich viel feministische Literatur gelesen – die Generationen vor mir hatten ja allerhand für uns Frauen gemacht – meine Freundinnen und ich waren sicher, dass so etwas wie cat-calling, ständiges Umsichschauen, Schlüsselklammern usw und das auch aus Angst vor Vergewaltigungen etc etc – spätestens für die ab 1970 geborenen nicht mehr existieren würde…

    Das Leben kann trotzdem schön sein und wir müssen einfach weiter versuchen gegen diese Mentalität anzugehen. Never give up!

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    1. tamara natalie

      Danke dir für dein Kommentar dazu! Ich finde es sehr interessant auch eine Sichtweise aus einer anderen Generation zu bekommen. Ich glaub aber, dass man genau da ansetzen sollte wenn es um Erziehung geht. Wenn ich mit meinen Freunden und Menschen in meiner Umgebung – männlich und weiblich- über dieses Thema diskutieren, glaube ich schon dass sich was verändern kann. Wir müssen einfach miteinander reden, damit ein Umdenken entstehen kann! Und so wie schon gesagt hast, werde ich auch nicht aufgeben 😉

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