Früher war Alles besser?

Als ich klein war, bin ich davon ausgegangen, dass mein späteres Leben so ablaufen wird, wie in den amerikanischen Filmen. Ich werde für einen Jungen aus meiner Schule schwärmen und er praktischerweise auch für mich. Er wird mich nach einem Date fragen und an diesem Abend wartet er mit einer Rose vor meiner Haustür und wir gehen ins Kino, um uns einen kitschigen Film anzusehen. Im Popcorn Becher berühren sich unsere Hände und irgendwann wird er mir den Arm um meine Schulter legen und am Ende des Dates verabschieden wir uns mit einem unschuldigen Kuss auf meiner Veranda.

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Tja, wer hätte gedacht, dass die Realität anders aussehen wird – und das nicht nur, weil mein Elternhaus nicht mit einer Veranda ausgestattet ist. Als ich dann in dem Alter war, in dem die ersten Schwärmerein aufkamen, hatte sich das Alles als ziemlicher Bullshit herausgestellt. (Verzeiht mir meine Ausdrucksweise)

Das Dating – Verhalten im 21. Jahrhundert (zumindest in Europa) sieht dann doch überraschend anders aus. Und ja, natürlich gibt es sie, die Pärchen, die bereits mit 14 Jahren komplett verrückt nacheinander waren und seitdem das Vorzeigepärchen deiner Freundesgruppe sind und auch gerne mal raushängen lassen, wie viel sie über die wahre Liebe wissen. Doch diese Konstellationen gehören in der heutigen Zeit wohl eher nicht zur Norm und deshalb lasse ich diese jetzt einmal außen vor.

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Die Wahrheit ist nämlich: Dates wie im Film gibt es nicht. Schon gar nicht zum Ende des Teenager- Daseins hin. In Zeiten wo man seinem Gegenüber nicht mal mehr als 1 Sekunde gibt, um dich durch sein/ihr Aussehen so vom Hocker zu reißen, dass du nicht nach links auf deinem schicken Smartphone swipest, hat man es nicht leicht in der Dating Welt. Im Leben der heutigen Jugend will man sich nicht aus der Vielzahl von unbegrenzt erscheinenden Möglichkeiten entscheiden müssen. Das Leben ist zu kurz um sich fest zu binden- zumindest jetzt noch, solange wir jung sind.

Und selbst wenn wir Gefühle für jemanden entwickeln, verstecken wir diese lieber, bevor wir noch durch eine Abweisung verletzt werden können.

Versteht mich nicht falsch, das Single Leben ist schön. Aber auch unheimlich kompliziert. Manchmal würde ich mir die klaren Abgrenzungen und Zeichen wünschen, wie sie mir von Nicholas Sparks in den immer gleich scheinenden, vor Kitsch triefenden Filmen präsentiert wurden.

Du magst ihn, er mag dich – das zeigt ihr einander – nach ein paar 0815 Dates gibt es vielleicht ein kurzes Drama – aber am Ende küsst ihr euch doch voller Leidenschaft im strömenden Regen. Und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende. 

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Wenn ich sage, dass ich mir manchmal wünschte, es wäre wie im Film, spreche ich nicht von den kitischen Gesten in einer Runde Schmalz verpackt. Ich meine die Einfachheit, wie die Liebe eben nur im Film sein kann. Wir wollen alle ein großes Drama vermeiden, aber irgendwie entsteht genau das dann doch, weil wir es zu hart versuchen. Und irgendwie sehnen wir uns nach Drama.

Ich glaube, wir machen es uns alle manchmal schwerer, als es sein müsste. Aber es ist ein Dilemma.

Zu wenig Drama – zu langweilig. Zu viel Drama – zu stressig.

Unsere Anforderungen sind mit den neuen Möglichkeiten, jemanden kennenzulernen, gestiegen. Ich kann (und das nicht einmal symbolisch gesprochen) einen anderen Menschen über das Internet kennenlernen, obwohl dieser am anderen Ende der Welt sitzt, wenn ich das möchte. Unsere Auswahl ist größer geworden und somit reicht es anscheinend einfach nicht mehr aus, jemanden „nur“ zu mögen. Vielleicht hat es das auch noch nie, aber ich denke, heute mehr denn je.

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Eine Gspusi (wie man in Wien so schön sagt) muss eine Story haben. Da reicht kein: kennengelernt – gut verstanden – verliebt – zusammen gekommen. Wo ist da der Reiz? Wo das Drama? Da muss es mindestens noch eine Phase der Ungereimtheiten geben. Hat er auch wirklich nur was mit dir am laufen hat, oder gibt es eine Andere. Oder vielleicht sogar eine eifersüchtige Ex oder eine schwere Entscheidung zwischen zwei potenziellen Partnern muss getroffen werde? Ach, es gibt so viele Möglichkeiten, um das Leben spannender zu machen.

Und ja Spannung ist gut. Auch ich will Spannung in meinem Leben, nur eben nicht andauern. Denn Spannung führt nach einiger Zeit zu Anspannung und dann kann die Stimmung leicht kippen.

Nichts ist der Jugend wichtiger als Freiheit. Losgelöst von Verpflichtungen, fixen Standorten und Routine. Doch ich glaube fest, dass man sich nicht vor vielversprechenden Möglichkeiten verschließen sollte, aus bloßer Angst. In einer Beziehung leben oder sich einfach nur auf jemanden einzulassen bedeutet nicht, seine Freiheit aufgeben zu müssen. Um es besonders kitschig zu formulieren: vielleicht heißt es auch nur, diese Freiheiten gemeinsam mit jemand anderen zu teilen und zu genießen. (Also wenn sich nicht spätestens jetzt ein Buchverlag bei mir meldet, damit ich einen Kitsch- Roman schreibe, dann weiß ich auch nicht…)

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Aber ganz im Ernst. Ich glaube, dass wir auch einen großen Vorteil in der heutigen Zeit haben. Eine dieser unzähligen Freiheiten gibt uns das Recht, unser (Liebes-)Leben nach unseren eigenen Vorstellungen zu gestalten, ohne uns vor Anderen rechtfertigen zu müssen. Dazu zählt die Wahl meines Partners, die Anzahl meiner Partner, wie ich das definieren möchte etc. (Dass das bei Einigen vielleicht noch nicht so durchgedrungen ist, ist ein ganz anderes Thema, wo wir uns meiner Meinung nach- zu langsam, aber doch- einer Gleichberechtigung annähern). Das sehe ich als Privileg, das wir schätzen sollten.

Es passiert so viel um uns herum, dass ich mir manchmal die Einfachheit wünsche. Reicht mir das dann? Keine Ahnung. Wahrscheinlich nicht. Denn ich glaube, wir haben uns viel zu sehr gewöhnt, dass Liebe etwas kompliziertes sein muss. Vielleicht stimmt das auch und vielleicht machen wir es uns selbst gerne schwer.

Was meint ihr dazu? Gerade bei so einem Thema bin ich sehr gespannt, was eure Meinungen / Erfahrungen / Denkansätze dazu sind. Schreibt mir gerne in den Kommentare!

x tamara natalie

! DISCLAIMER!

Dieser Text ist nicht nur aus meinen eigenen Erfahrungen entstanden, sondern auch durch Beobachtungen meiner Umwelt. Wir machen alle auf eine bestimmte Art ähnliches durch, deshalb sollte sich niemand direkt angesprochen fühlen.

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